Herbert Lange ist Europameister über 200m Lagen

Sonnenschein, eine atemberaubende Landschaft und begeisterte Zuschauer waren die Kulisse für die alle 2 Jahre stattfindenden Europameisterschaften der Masters in den Olympischen Disziplinen im Schwimmen, Freiwasserschwimmen Wasserball und Wasserspringen in Slowenien.

4.360 Sportler aus ganz Europa hatten die Hürde der hohen Qualifikationszeiten gemeistert und kämpften in Kranj und in Bled um Titel und Medaillen. Es wurde das erwartete große, niveauvolle Treffen der europäischen Schwimmer-Familie mit vielen ehemaligen Spitzenschwimmern, darunter viele Olympiateilnehmer  und Weltmeister.

Herbert Lange, Masters- Schwimmer des SSC Berlin-Reinickendorf,  war als Favorit mit der jeweils schnellsten Qualifikations-Zeit über 200m Lagen, 200m Delphin und 100m Brust in der AK 70 angereist. Auch über die 3km und 5km Freiwasserschwimmen zählte er zu den Favoriten.

Seine Favoritenrolle konnte er jedoch nur über 200m Lagen erfüllen. Er siegte ganz knapp.

Leider erkrankte er vor dem ersten Wettkampf und startete nur über die 200m Lagen. Hier sorgte Lange ungewollt für einen der spannendsten Wettkämpfe der gesamten Veranstaltung, einem richtigen Publikumsschlager.

Am Tag vor seinem ersten Wettkampf fing er sich beim Training eine Krankheit ein.  Eigentlich wollte der Oranienburger dann über 200 Lagen nicht starten, überlegte hin und her, ob er startet oder nicht.

Im Callroom kurz vor dem Wettkampf entschied er dann, dass er doch startet, aber nur locker schwimmen wollte. Er hatte sich ausgerechnet, dass es mit Lockerschwimmen zu Bronze reichen würde.

Eine Medaille wollte er zumindest ergattern. Er startete also locker und lag bei 100m wie geplant auf dem dritten Platz mit 9 sec(!) Rückstand auf den Führenden.

Der weitere Verlauf des Wettkampfes riss die ca. 2.000 Zuschauer von den Sitzen.

Lange beschreibt das so:
„Nach der 100m-Wende habe ich dann paar schnelle Brustzüge gemacht und bin ganz leicht an die 2. Stelle vorgerückt. Habe dann gemerkt, dass ich auch an den Führenden rankommen konnte und gab etwas Gas. Bei 150m, der letzten Wende, hatte ich immer noch 5 sec. Rückstand auf den Führenden, sah aber, dass ich viel schneller kraulte als er. Da hat mich dann doch der Ehrgeiz gepackt und jetzt wollte ich gewinnen.“

Die Zuschauer feuerten Lange an. Sie ahnten, dass sich da eine Sensation anbahnte.

Lange konnte unter dem frenetischen Beifall der Zuschauer den erheblichen Rückstand von 9 sec, ca. 4 Körperlängen, aufholen und konnte den Gegner knapp um 2 Zehntel Sec schlagen. Diese unglaubliche Aufholjagd wurde mit der Goldmedaille und dem Titel Europameister belohnt.
Die Zuschauer wussten ja nicht, dass dies keine Taktik, sondern aus der Not geboren war.

Schade, dass Lange krank wurde und bei keinen weiteren Wettkämpfen startete.

Er kommentiert: “Mit dem Europameistertitel in der Tasche fiel es mir leicht, auf weitere Starts zu verzichten, auch wenn ich wehmütig die Titelkämpfe über meine Paradedisziplin, die 200m Delphin, von außen mit ansehen musste. Die Zeit des Siegers hätte ich locker unterbieten können. Mir ging es auch nicht sooo schlecht, aber meiner Gesundheit zuliebe habe ich verzichtet und mich geschont.“

Die Ergebnisse:          http://emc2018.microplustiming.com/swimming/index_web.php

 

15.09.2018 von: SSC Team in Kategorie(n): News 2018